{"id":965,"date":"2006-04-08T19:06:00","date_gmt":"2006-04-08T19:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.the-kingfishers.de\/?p=965"},"modified":"2023-07-04T14:50:47","modified_gmt":"2023-07-04T14:50:47","slug":"965","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/the-kingfishers.de\/?p=965","title":{"rendered":"Auf Umwegen zum Fisch \u2013 Ein Fangbericht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Angeln auf Meerforelle strahlt f\u00fcr mich eine unglaubliche Faszination aus. Vor einer wundersch\u00f6nen Kulisse manchmal tagelang im Wasser zu stehen \u2013 nur f\u00fcr den EINEN Moment. Den einen Moment, in dem ein harter Schlag durch die Rute geht und der Nervenkitzel beginnt&#8230;<br>Sitzt der Haken fest genug?<br>Steigt der Fisch aus?<br>Leider l\u00e4sst es meine Zeit nur noch selten zu aus Hamburg an die Ostsee zu fahren und so war ich umso aufgeregter, als es am 08.04.06 endlich mal wieder zum Watfischen ans Meer gehen sollte. Tagelange Recherche nach den zur Zeit vermeintlich besten Pl\u00e4tzen waren dem vorrausgegangen und haben das Warten auf das Wochenende etwas ertr\u00e4glicher gestaltet. Und dann war es endlich so weit. Ich hatte mich f\u00fcr einen Strand bei Warnem\u00fcnde in Mecklenburg-Vorpommern entschieden und startete am Samstag um 6 Uhr mit meinem Freund Seppel zu den ersehnten Angeltagen durch. In Warnem\u00fcnde angekommen, ging das Warten aber leider erst mal weiter, da s\u00e4mtliche Angelgesch\u00e4fte erst um 9 Uhr \u00f6ffnen und wir ja noch die Angelerlaubnis f\u00fcr die Mecklenburgische Ostseek\u00fcste (Kostet: 5 \u20ac\/Tag; 10\u20ac\/Woche; 20\u20ac\/ Jahr) brauchten. Nachdem auch diese H\u00fcrde genommen wurde, konnte es also losgehen&#8230;<br>Der Strandabschnitt an der Wilhelmsh\u00f6he bei Warnem\u00fcnde ist ausgesprochen abwechslungsreich. Tangfelder, Sandfl\u00e4chen und Findlinge \u2013 also der typische Leopardengrund \u2013 zeichnen den Gew\u00e4ssergrund hier vor der Steilk\u00fcste aus.<br>&#8230;und wir waren endlich da &#8230; allerdings nicht alleine!!! Acht andere Angler hatten den gleichen Gedanken wie wir. So ist das eben, wenn man nur am Wochenende Zeit hat. Aber so konnte man sich erst mal ein Bild von der gegenw\u00e4rtigen Situation verschaffen und sich vielleicht ein paar Tipps von den einheimischen Kollegen einholen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Wir erfuhren, dass am Abend zuvor einige ganz gut gefangen h\u00e4tten. Zwei, drei ma\u00dfige Fische bis 53 cm und mehrere Unterma\u00dfige (Das Mindestma\u00df in MV betr\u00e4gt 45 cm) wurden gelandet. Auch heute morgen bis acht Uhr gab es einige Bisse und drei unterma\u00dfige Meerforellen. Das Klang ja schon mal ganz vielversprechend. Die Meerforelle wird ja nicht umsonst \u201eDer Fisch der tausend W\u00fcrfe\u201c genannt! Beim Angeln auf Meerforelle ist ein Tag mit Fisch nicht selbstverst\u00e4ndlich, aber ein Tag ohne schon eher.<br>Nach 15 min\u00fctiger Recherche machten wir uns dann startklar. Ich steckte meine dreiteilige \u201eHypercast Trout\u201c von Quantum (3,00 m \/ 10-40 gr. WG) zusammen und schraubte eine Mitchell \u201eAvocet Gold SW 4000\u201c, die ich mit 0,12er Fireline in dark-grey bespult hatte, an die Rute. Von einem monofilen Vorfach sah ich ab, da die Rute sehr weich und die Mitchell-Bremse sehr fein justierbar ist und sie zusammen auch harte Schl\u00e4ge und Fluchten abfangen k\u00f6nnen. Als K\u00f6der setze ich im Fr\u00fchjahr und gerade bei klarem Wasser eher auf Naturfarben und je nach Gew\u00e4ssertiefe auf Blinker (tiefer) oder Wobbler (flacher), da ich eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig langsame K\u00f6derf\u00fchrung bevorzuge. Aus meinen Erfahrungen aus dem Raubfisch-Spinnangeln auf Hecht, Regenbogen-, Bach-, und Meerforelle, schalte ich generell einen zweiten Sprengring vor den Drilling, da er sich so flexibler bewegen kann und gerade bei Spr\u00fcngen im Drill nicht gleich ausschlitzt. Au\u00dferdem benutze ich Drillinge mit nach innen gebogenen Hakenspitzen, da diese nach dem Biss einfach fester im Maul sitzen.<br>Und nun endlich ab ins Wasser&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das Wetter war zwar nicht ganz ideal (Es war bew\u00f6lkt mit einzelnen Schauern, Luft 9\u00b0C, Wasser 5\u00b0C und ablandiger Wind um 5 in B\u00f6en 6-7), aber das kann man sich ja nicht aussuchen. Au\u00dferdem standen wir durch die Steilk\u00fcste und den ablandigen Wind einigerma\u00dfen gesch\u00fctzt im Wasser.<br>Und wir standen&#8230;und standen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es tat sich wirklich rein gar nichts! Bei uns nicht und auch nicht bei den Einheimischen! Aber noch waren wir voller Hoffnung, da die Einheimischen uns ja ausf\u00fchrlich \u00fcber das \u201espezielle\u201c und nebenbei f\u00fcr die Jahreszeit ausgesprochen ungew\u00f6hnliche Bei\u00dfverhalten der \u201eeinheimischen\u201c Fische berichtet hatten. Bei\u00dfzeiten zwischen 17 und 19 Uhr abends und 6 und 8 Uhr morgens sind im Fr\u00fchjahr und auch gerade nach so einem langen und kalten Winter ausgesprochen ungew\u00f6hnlich. Meerforellen bevorzugen eigentlich Wassertemperaturen zwischen ca. 6 und 9\u00b0C . Liegt die Temperatur deutlich darunter, halten sich die Fische eher im tiefen Wasser weit vor der K\u00fcste auf, da dort konstante Temperaturen um 4\u00b0C herrschen. Deshalb kommen die Fische auch erst im Fr\u00fchjahr dicht unter Land, da sich das Wasser dort am schnellsten erw\u00e4rmt und ihre nat\u00fcrliche Nahrung, die aus kleinen Krebsen, Sandaalen und bei den Kapitalen auch aus gr\u00f6\u00dferen Heringen besteht, dann ebenfalls aktiver wird. Aus diesen Gr\u00fcnden liegt die beste Bei\u00dfzeit im Fr\u00fchjahr im k\u00fcstennahen Flachwasserbereich so um die Mittagszeit. Dann herrschen durchschnittlich die h\u00f6chsten Au\u00dfentemperaturen, womit sich das Wasser in dieser Zeit am st\u00e4rksten erw\u00e4rmt.<br>Aber wie gesagt, wir vertrauten den Einheimischen und wir hielten durch&#8230; bis der Angeltag ausgerechnet um 17 Uhr ein j\u00e4hes Ende fand. Wie aus dem Nichts kam starker Wind auf, ich sch\u00e4tze in B\u00f6en 8-9. Der Wind drehte parallel zum Ufer und es fing stark an zu regnen \u2013 Abbruch! Uns blieb also nichts anderes \u00fcbrig als ins Hotel zur\u00fcckzukehren, Fu\u00dfball zu gucken und sich ein kleines Bierchen zu genehmigen \u2013 auch nicht schlecht (Zumal Bayern 0:3 gegen Werder verlor \u2013 gut f\u00fcr den HSV !!!)<br>Auf dem Zimmer hielten wir dann eine kleine Lagebesprechung, wie wir den n\u00e4chsten Tag gestalten sollten. Wir nahmen uns nochmals vor den Einheimischen zu vertrauen und um 6 Uhr im Wasser zu stehen. Gesagt, getan! Wir waren voller Hoffnung, die Sonne ging gerade auf, keine Wolke am Himmel, der Wind hatte wieder auf ablandig gedreht und war auf 3-4 abgeflaut. Um 6.15 Uhr waren wir am Wasser \u2013 und wieder nicht alleine \u2013 wieder waren neun Angler vor uns dort und wieder die gleichen&#8230; und wieder ging nichts \u2013 bei keinem \u2013 und wieder schlug das Wetter um. Diesmal allerdings schon um 8 Uhr. Wieder Abbruch und zur\u00fcck ins Hotel zum fr\u00fchst\u00fccken. Beim Fr\u00fchst\u00fcck fragte ich Seppo dann schon einigerma\u00dfen resigniert, ob wir es sp\u00e4ter noch mal probieren sollten oder die Heimreise antreten wollen. Da das Wetter bis 9 Uhr immer noch nicht besser wurde, entschlossen wir uns f\u00fcr einen Heimweg mit Umwegen. Wir fuhren also wieder gen Westen und wollten uns noch ein, zwei gute Stellen f\u00fcr das n\u00e4chste Mal angucken. Auf der Landkarte entdeckte ich die Boltenhagener Bucht mit gr\u00f6\u00dferen H\u00f6henangaben direkt vor der K\u00fcste und ich schlug vor, dort noch mal Zwischenstation zu machen und sich die Verh\u00e4ltnisse anzusehen. Um 10.15 waren wir dann in Boltenhagen angekommen. Dort gibt es ebenfalls eine sehr lange und abwechslungsreiche K\u00fcste mit Leopardengrund. Und was noch viel besser war \u2013 die Sonne schien wieder und durch die Steilk\u00fcste war der Strand durch den immer noch recht starken ablandigen Wind gesch\u00fctzt. Wir entschlossen uns spontan f\u00fcr einen letzten Angelversuch und machten schnell unsere Ruten fertig. Ich w\u00e4hlte einen Gladsax-K\u00fcstenwobbler mit 27 gr. in silber-gr\u00fcn und Seppo einen Tobi-Blinker von Jensen mit 20 gr. in silber-blau.<br>Auch hier waren schon einige Angler vor Ort, die bisher ebenfalls erfolglos waren. Wir suchten uns einen freien Platz direkt vor der Steilk\u00fcste, wo wir relativ gut ins Wasser kommen konnten, da der Grund sehr steinig und glatt war und begannen zu Angeln. Mit dem schweren Wobbler, der d\u00fcnnen Fireline, meinem Ger\u00e4t und dem Wind im R\u00fccken, waren f\u00fcr mich problemlos Wurfweiten von bis zu 80 Metern m\u00f6glich. Eigentlich beste Vorraussetzungen, wenn Meerforellen offensichtlich nicht dicht am Ufer rauben. Aber als ca. 1 \u00bd Stunden vergangen waren, hatte sich bei uns immer noch nichts getan. Kein Biss. Kein Nachl\u00e4ufer. Nichts!<br>Um 12.20 Uhr sagte Seppo, dass er erst mal eine Pause machen und eine rauchen werde. Ich fand seinen Vorschlag recht reizvoll, da ich auch nur noch wenig Lust und Hoffnung hatte und sagte zu mir noch einen Wurf und dann erst mal Pause machen. Also Auswurf, in Gedanken schon bei der Zigarette, Biss!!! Und was f\u00fcr einer! In ca. 70 m Entfernung sah ich den Fisch zwei Mal an der Oberfl\u00e4che rollen. Die Rute im Halbkreis gebogen. Die Bremse kreischend. Weitere 25 Meter Schnur weg. Die erste Flucht \u00fcberstanden und die Erkenntnis \u201eDas ist ein gro\u00dfer!\u201c Die n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten vergingen dann ohne beidseitigen Raumgewinn. Ich habe halbwegs gebetet, dass der Fisch nicht aussteigt. Wie sitzt der Haken? Wie viel Druck kann ich aus\u00fcben? \u201eLass dir Zeit und mach ihn m\u00fcde!\u201c, h\u00f6rte ich Seppo rufen. Minute um Minute vergingen in denen ich einen unglaublichen Kampf erleben durfte und ich den Fisch Meter um Meter an die K\u00fcste drillte. Nach ca. 15 Minuten war es dann soweit. F\u00fcnf Meter vor mir tauchte der Fisch zum ersten Mal auf. Eine perfekt gezeichnete kapitale Meerforelle. \u201eRuhig bleiben!\u201c, dachte ich mir, doch meine Knie zitterten. Seppo stand mit dem Kescher bereit und dann die n\u00e4chste Flucht. Wieder nahm mir die Forelle spielend 30 Meter Schnur von der Rolle. Aber ich sp\u00fcrte wie sie dann m\u00fcder wurde und ich sie langsam leichter wieder zu mir bekam. Nach ca. 20 Minuten war Seppo dann wieder bereit zum Keschern und ich konnte meine bisher gr\u00f6\u00dfte Meerforelle wirklich erfolgreich landen!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/the-kingfishers.de\/berichte\/2006\/fangbericht_8_04_06\/bilder\/MeFo2.JPG\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10,40 Pfund und 73 cm reines Silber lagen im Kescher und kurze Zeit sp\u00e4ter auf den Steinen am Strand. Wahnsinn! Ich musste mich erst mal wieder beruhigen&#8230;<br>Seppo war jetzt aber wieder hei\u00df und wollte ganz schnell wieder ins Wasser. Leider wurde auch hier in Boltenhagen nach ca. einer halben Stunde das Wetter wieder schlechter, so dass wir unserer Angelwochenende mit einem breiten Grinsen im Gesicht nun erfolgreich beendeten.<br><br>PS: Bei gro\u00dfen Meerforellen handelt es sich \u00fcbrigens meist um Einzelg\u00e4nger, die sich oft auf Heringe als Nahrung spezialisiert haben. Dies best\u00e4tigte auch der Mageninhalt \u2013 ein gut 25 cm langer Hering!<br>Kleinere Meerforellen treten hingegen oft in Trupps auf, die die K\u00fcste entlang ziehen. Deshalb sollte man nach einem Biss oder einem Nachl\u00e4ufer immer so schnell wie m\u00f6glich weiterangeln und sich nicht allzu lange \u00e4rger!!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bericht: Torben R\u00f6der; Hamburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Angeln auf Meerforelle strahlt f\u00fcr mich eine unglaubliche Faszination aus. Vor einer wundersch\u00f6nen Kulisse manchmal tagelang im Wasser zu stehen \u2013 nur f\u00fcr den EINEN Moment. Den einen Moment, in dem ein harter Schlag durch die Rute geht und der Nervenkitzel beginnt&#8230;Sitzt der Haken fest genug?Steigt der Fisch aus?Leider l\u00e4sst es meine Zeit nur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3204,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-965","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mefo"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/965","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=965"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4256,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions\/4256"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/the-kingfishers.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}