Die Elbe – ein trüber Fluß mit goldenen Zügen

Eigentlich sollte es an diesem Samstag auf die Bille rausgehen. Nach einem kurzen Anruf von Fynn mit seinen überzeugenden Worte, ging es dann doch im Richtung Elbe. Genauer gesagt fuhren wir an die Buhnen in Ortkaten. Den Abend vorher noch die Gufis alle in Reih und Glied in der Box klar gemacht, die Köpfe gezählt –langen 20 Stück? Oder lieber doch 30? - Schnell noch etwas Mono unter die geflochtene gespult, damit die Spule wieder voll ist, den jeder Meter zählt! Die neue Rolle auch noch bespult, Sie sollte Ihre Taufe erhalten und beweisen das Sie es verdient hat zu „Zandern“ (Sie versagte später kläglich!)... Als die Uhr dann zwei Uhr schlug und der Film endlich zu Ende war ging es ins Bett, bis sieben Uhr war ja noch lange hin ...

Mit dem quälenden Geräusch des Weckers stand ich die Rute links den Kescher rechts in der Hand senkrecht im Bett! Schnell die Wathosen aus dem Keller geholt, das ganze Geschirr ins Auto gebracht und Fynn am Bahnhof eingesammelt. Ohne viel Zeit zu verlieren sind wir dann in Richtung Elbe aufgebrochen. Während Fynn noch ein paar Panik-Drillinge fertig machte fuhr ich dem Sonnenaufgang und Fisch entgegen.
Vor Ort sah noch alles ganz gut aus! Wir waren pünktlich zum Hochwasser da und zogen uns die Wathosen über. Die Ruten waren ebenfalls schnell gesteckt und mit Gummi versehen und so ging es ans Wasser. Die ersten waren schon da. Sie motivierten uns in kurzen Schnacks mit „Hier ging schon seit Wochen nix mehr richtig“ und „Nur noch vereinzelnd Fisch...“. Aber all das sollte uns nicht schocken! Auch nicht das ich in den ersten 30 min gleich 4 Gufis die Freiheit schenkte stoppte uns nicht! So liefen wir dann die Kante mal rauf und runter, nur der Fisch lies ein wenig auf sich warten. So langsam wurde der Tag bei uns immer unbeliebter. Das ganze sollte dann seine Krone aufgesetzt bekommen als ein Anglerkollege aus dem „Ostblock“, (Wir wollen hier niemandem zu Nahe treten oder etwas verallgemeinern, aber wer hat es nicht schon erlebt...!) einen knapp massigen Zander fing und diesen so lange an der Oberfläche kämpfen lies und mit der Rute immer wieder leichte anschlug bis der Fisch sich endlich selber befreien konnte... Habt Ihr euch beim Angeln schon mal die Hände schmutzige gemacht? Ne? Ich auch nicht... Egal der Typ packte dann ein und war w e c h! Von da an ging es dann aber auch wieder bergauf! Das es ein ganz krasser Gipfel Sturm werden sollte ahnten wir da noch nicht!

Wir nutzten die Chance und gingen an die Spitze der mittlerweile trockengelaufenen Buhne.

Aber auch dort ging erst gar nix... bis plötzlich ein Schwarm rein kam und sich erst die Rute unseres Nebenan und dann die von Fynn ehrfürchtig verneigte! Es kamen zwei grade massige Zander zum vorscheinen die sich zu Recht beschwerten und nun wieder Ihre Kreise im Elbstrom ziehen, bis man sich in ferner Zukunft mal wieder sieht...
Kurz drauf war der Schwarm nach einer etwas größeren Pause wieder da, wieder knallte es in den Ruten. Diesmal auch bei mir!

Wieder zwei kleinere die sich weiter bester Gesundheit freuen dürfen. Als nächstes knallte es wieder bei mir! Der ging schwer, der musste riesig sein ... oder quer unterm Bauch gehakt! Leider war es das Zweite. Es trat wieder eine kurze Pause die wir zum Sonne und Express–Kaffee aus der Dose tanken nutzen. Als diese durch Fynns angespannte Muskeln unterbrochen wurde, welche mit einer krummen Rute zu kämpfen hatten! Der Gegner: ein strammer 65er Zander!

Dieser zog den Kürzeren, musste sich geschlagen geben und wartet nun in Form von Filets bei –18° auf seine Veredelung.

 

Abgesehen von einem weiteren mittleren Zander der kurz vorm Ufer stiften ging, blieb es dann ruhig. So packten wir dann gegen 16 Uhr ein, machten uns am Auto auf unserem Campingkocher eine Dose heiß. Kurz Pause gemacht um dann in Richtung Hamburger Hafen aufzubrechen. Auf halben Weg viel uns dann ein, dass wenn man den schon in Tiefstack vorbei kommt, man ja zumindest kurz halten kann um einmal die Strömung zu testen. Perfekte Bedingung: auflaufendes Wasser, ein Strömung zum Surfen auf der Stelle, ... Egal! Und ab dafür!
Ruten aus dem Auto, Ruten gesteckt, Köder beschleunigt, geworfen, ... Hänger. Na super! Geht ja gut los. Aber wir wollten ja nur mal kurz gucken! Wieder von vorne Köder beschleunigt, geworfen ... Hänger! Wenigstens einer der sich bewegt und ans Ufer ziehen lässt, der zuckt ... wahrscheinlich wieder so ein quer gehakter Zwergzander. Aber je höher und dichter das Ufer kam desto schwerer wurde der Zwerg und desto mehr Kraft entwickelte er! Einmal wollte er wohl seinem Gegenüber in die Augen blicken! Dann tauchte er wieder ab und ich konnte nix dagegen machen! Bevor meine Schnur reißt oder der Fisch ausschlitzt habe ich die Bremse etwas weicher eingestellt und da war es ... das Lieblingsgeräusch aller Angler. Eine summende Rolle! Mit einem kräftigen Summen tauchte der Riesenzwerg ab, immer wieder stoß er in die Rute, die Rolle ssssss ssssssss ssssssssssssssss ssssss sssssss ... Die ganze Rolle verformte sich, die Kurbel drehte ins leere ssssss ssssssssssssssss sssssssss ... aber langsam und sicher wurde die 80g Spinrute doch zu schwer für diesen Riese und Sie kam aus der Verbeugung langsam hoch und der Zander an die Steinpackung! Fynn suchte den Kescher um den Fisch zu landen während ich zwei Meter über Elbwasser mit meinem Besenstiel in der Hand an der Kaimauer stand. Fynn sah mich an und wir verstanden uns ohne Worte! Wir hatten den Kescher im Wagen vergessen ... F**k! Aber wenn der Freund schon mal den Fisch seines Lebens dran hat tut man alles, Fynn springt auf die Steinpackung runter und landet den zum Glück schon ziemlich müden Fisch mit der Hand! An Land hatte er dann doch noch wieder Kraft, damit er nicht 1,5 m tief auf die Steinpackung fällt, hat Fynn Ihn ganz lieb und fest in den Arm genommen...

Der Zwerg stellte sich als 76 cm Zander raus! Leider hatten wir keine Wage dabei, wir schätzen ihn aber auf acht – zehn Pfund. Für einen Flussfisch war es unser Meinung nach ein ungewöhnlich dicker Oschi! Der Drill, die Landung und die kurze Fotosessionwaren dann aber doch zuviel für Ihn. Beim Versuch ihn zurück zu setzten machte er dann leider schlapp... Er liegt nun wie der andere auch bei –18° im Gefrierschrank, dieser aber in meinem!


Was alles so in fünf Minuten passieren kann.... Das meinten dann auch die Leute die das alles von der anderen Uferseite aus gesehen hatten und den ganzen Tag noch gar nix hatten! Aber eigentlich bewies dieser Tag mal wieder nur eins: Egal was man dabei hat, wo angelt wird oder wie gut man ist und sich vorbereitet hat, ist man zur falschen Zeit am falschen Ort, dann fangen die anderen die Fische! Heute waren wir allerdings die Anderen! Ein schöner und unvergesslicher Tag geht so nun seinem Ende entgegen! Bis dann, auf ein Neues...

So long!
-Dennis-